Fischotter

August 2019 – Ein Jahr ging ins Land, seit ich das letzte Mal im August 2018 über mein Fischotterprojekt berichtet habe. Was ist seitdem geschehen?

2018 passierte fototechnisch in punkto Otter eigentlich nichts mehr. Ein zwei Sichtungen, die mir zeigen, dass die Tiere meinen Weg kreuzten, sonst nichts. Ich finde zum Jahresende in Jan Wagners Gedichtssammlung „Regentonnenvariationen“ die perfekte Beschreibung eines Otter, die mich ins neue Jahr trägt.

„… ist im wasser beweglicher als wasser, steigt als welle an irgendeinem ufer an land, …“  Jan Wagner, Otter, in Regentonnenvariationen

Neues Jahr, neues Glück! Wir haben im Januar ein paar Tage Schnee und ich mache mich auf die Jagd nach einem Bild vom Otter auf weißer Pracht. Die Zeit ist kurz bevor sich der Schnee in Matsch verwandelt, doch ich bin irgendwie immer am falschen Ort. Mehr als Spuren im Schnee bekomme ich nicht zu Gesicht. Im April dann ein Showdown im Anklamer Stadtbruch. Ich stehe auf dem Damm, ein Otter passiert diesen, sieht mich, wir beide bleiben wie versteinert stehen und ehe ich die Kamera auf ihn gerichtet hab, ist er auch schon wieder im Wasser.

Ich beginne erstmals meine Taktik zu ändern und konzentriere mich auf einige wenige Gebiete. In einem dieser Reviere geht ein Otter in eine Fotofalle. Im laufe des Jahres stelle ich fest, dass er sich in einem alten Biberbau eingenistet hat. Dieser Abschnitt eines langen, schmalen Sees riecht besonders jetzt im Sommer stark nach Fisch und ich finde immer wieder angenagte Fische und mit Fischschuppen versetzte Losung. Von den Ottern selbst bekam ich bis heute nur eine Perlenspur aus Luftblasen zu sehen.

Doch wie schreibt Robert Macfarlane in seinem bei Naturkunden erschienen Buch „Die verlorenen Wörter“

Tauchend wandelt er Gestalt, schier

atemberaubend – doch siehst du nur ein

Schattenflackern, einen Strudelstrang

und niemals (beinahe niemals) wirklich Otter.

In einem anderen Revier haben sich im Frühjahr zwei Lachmöwenkolonienen gebildet. Da es nicht weit von meinem zuhause liegt, bin ich dort überdurchschnittlich oft in den Morgenstunden unterwegs. Der Fokus liegt nicht unbedingt auf dem Otter, aber es gibt sie dort gelegendlich zu sehen. An einem Morgen im Mai ist in der einen Kolonie große Aufregung. Ein Reiher scheint zu testen, wie tolerant sich die Lachmöwen ihm gegenüber verhalten, wohl auch im Hinblick auf die zu erwartenden Jungmöwen, die er nicht verschmäht. Im morgendlichen Nebel bietet sich mir ein tolles Schauspiel. Als einige Tage später die Möwen wieder in heller Aufruhr sind, ist es kein Graureiher, der sich der Kolonie nährt, sondern ein Otter. Er schwimmt auf die Nester zu, wird aber unter viel Getöse und Krawall erfolgreich von den Möwen vertrieben und sucht das Weite.

Die letzte Sichtung ist dann im April vom Aussichtsturm im Anklamer Stadtbruch aus. Es ist fast wie vor einem Jahr und kurz denke ich, in einer Zeitschleife gefangen zu sein. Das Wasser ist wieder gefallen, ein Wildschwein schwimmt durch den Polder, der Waschbär schaut vorbei und ein Otter fängt unterhalb des Turmes sein Fischfrühstück.

August 2018 – Es ist wie im Winter – es gibt viele Otter, nur man bekommt sie nicht so richtig vor die Linse. Im Juli konnte ich ca. 15 min einen Otter im Anklamer Stadtbruch beobachten, aber durch die schlechten Lichtverhältnisse nur mäßige Fotos machen. Aufgrund der Trockenheit ist dort in diesem Sommer der Wasserstand extrem gefallen, sodass sich die zahlreichen Fische in den verbleibenden Restlöchern sammeln. Dort sind sie nun leichte Beute für Otter und Co. Wenn ich mir vorgenommen hätte Waschbären statt Otter zu fotografieren, wäre ich um einiges erfolgreicher gewesen. Diese Tiere liefen mir bei meinen Otteransitzen häufiger über den Weg. Einmal sah ich auch schwimmende Wildschweine und ein anderes Mal konnte ich im Anklamer Stadtbruch sogar einen extrem seltenen Nachtreiher ablichten, der sich dorthin wohl irgendwie verirrt hatte. Man sieht, Otterbeobachtung wird nicht langweilig… Ich bleibe dran!

Februar 2018 – So langsam frage ich mich ernstlich, was für ein Fotoobjekt ich mir da ausgesucht habe? Fischotter 2018 hörte sich ja erstmal ziemlich cool an, aber kooperativ sind die Wassermarder nicht gerade. Ich kenne jetzt viele Stellen und Gewässer in meiner Gegend, wo sie zu finden sind. Ich laufe in meiner freien Zeit Gräben ab und fotografiere Wechsel und viel Otterscheiße. Aber zu Gesicht bekommen habe ich lange keinen. Ich habe aber wieder einmal festgestellt, dass man bei Minusgraden nach spätenstens 2h im Tarnversteck kalte Füsse bekommt, egal wie viele Socken man anhat und das frische Otterspuren, kein Garant für Otterbilder sind. Aber was solls, so langsam bekomme ich ein Bild von den Otteraktivitäten in meinem Umkreis und das ja auch etwas.

Als wir im Februar in Schottland, genauer gesagt in Aberdeen waren, standen Otter naürlich ebenfalls auf meiner Liste. Obwohl regelmäßig am River Don unweit der Uni Otter gesichtet und fotografiert werden, war es mir nicht vergönnt, diese zu sehen. Nur in der Zoologischen Sammlung der Aberdeener Uni wurde ich fündig. Was soll’s ich bleibt dran. Das Jahr hat ja noch ein paar Tage…

November 2017 – Im Anklamer Stadtbruch gelang es mir dieses Otterweibchen zu  beobachten. Die Fähe sammelte Material um ihr Nest auszupolstern. Da sie große Pflanzenstengeln zusammentrug, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie erst mit dem Nestbau begonnen hat. Zuerst verbaut sie etwas gröberes Material und zum Schluss feineres Gras. 

Oktober 2017

Wahrscheinlich habe ich als Kind die Filme „Mein Freund der Otter“ und „Tarka der Otter“ zu oft gesehen, um vom Fischotter loszukommen. Ersterer Film basiert auf der autobiografischen Erzählung „Ring of Bright Water“ des Schotten Gavin Maxwell, zweiterer verfilmt eine 1927 erschienene Novelle von Henry Williamson. Und als ich in diesem Jahr in Lünen Laurie Campbells Vortrag über Fischotter  hörte, stand es fest – 2018 wird das Thema Fischotter zielstrebig angegangen.

In den letzten Jahren hatte ich immer mal wieder und meist mehr oder weniger zufällig Begegnungen mit Fischottern. Neben der obligatorischen Meldung beim Arbeitskreis Fischotterschutz Neubrandenburg blieben von diesen Treffen auch einige Aufnahmen, welche zum Auftakt hier zu sehen sind. Mal sehen wie sich die Sache entwickelt.

4 Kommentare zu „Fischotter

  1. Es ist erfreulich zu lesen, dass das Fischotter-Weibchen eine Kinderstube einrichtet. Schöne Aufnahmen, die Dein Projekt „Fischotter“ um weiteres „wertvolles“ Bildmaterial bereichert.

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  2. Sehr schöne Bilder, im Internet habe ich vor kurzem einige Videos gesehen, da wird gezeigt wie zwei Otter im Wasser auf den Rücken liegend ein Nickerchen machen und sich dabei gegenseitig mit den Pfoten „festhalten“. Damit sie nicht auseinander treiben. Das sah zu putzig aus, ob das jetzt wirklich so ist oder ein Fake war, keine Ahnung.

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