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In der Gerste

Eigentlich hatten sie für diesen Morgen Nebel angesagt. Dieser blieb jedoch so verhalten, dass er fototechnisch nur wenig relevant war. Dafür brachte die Morgensonne die Gerste zum glühen und ein Rehbock zeigte sich unglaublich kooperativ.

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Briefe aus der Provinz, Willkommen im Hinterland / 02/2019

Seit 2018 schreibe ich für das Magazin Forum Naturfotografie der Gesellschaft für Naturfotografie, kurz GDT eine Kolumne mit dem Titel Briefe aus der Provinz. Versetzt mit einer Zeitspanne von 1 Jahr veröffentliche ich hier nacheinander die „alten“ Briefe. Meist geht es um Bücher, aber eben nicht immer. Falls Euch ein beschriebenes Buch interessiert und Ihr es erwerben wollt, bestellt es bei Eurem lokalen Buchhändler. Dieser liefert es Euch sicherlich, genauso schnell und zumeist versandkostenfrei wie die „Riesen“.

Willkommen im Hinterland!

Was ist Provinz? Laut Duden eine Gegend, in der (mit großstädtischem Maßstab gemessen) in kultureller, gesellschaftlicher Hinsicht im Allgemeinen wenig geboten wird oder anders ausgedrückt – Hinterland. Als dieses kann man wohl ohne gesteinigt zu werden den Nordosten Mecklenburg-Vorpommerns bezeichnen. Als ich vor Jahren einmal mit einem Fotokollegen aus den westlichen Bundesländern im Anklamer Stadtbruch unterwegs war, fiel es ihm schwer zu sagen, ob er faszinierter von der Natur war oder von der dort herrschenden Menschenleere. Niemand, der fragt, was es zu sehen gibt, was man fotografiert, was man für eine Blendeneinstellung benutzt, oder der einen darauf hinweist, dass man die Sonnenblende nicht aufgesetzt hat. So weit, so traumhaft! Der Bruch war mehr oder weniger ein Geheimtipp, den man sich nur mit ein paar Ornis teilte, und diese Damen und Herren wissen meist, was sie tun. Daran änderte auch die Tatsache nichts, dass dieses Gebiet in dem schon 2009 im Kosmos-Verlag erschienenen Buch Vögel beobachten in Ostdeutschland von Wagner & Moning detailliert beschrieben wurde, inklusive Wegeplan und Artenliste. Auch ein ausführlicher Bericht 2015 im Fotoforum, ein Kapitel im Buch Abenteuer Naturfotografie und eine Fotoausstellung der GDT-Regionalgruppe Mecklenburg-Vorpommern im Bugewitzer NaturKulturHaus im Frühjahr 2018 lösten keinen Besucherandrang aus. So blieb die Gegend eher etwas für Liebhaber und Insider. Selbst die 12 Seeadler-Brutpaare auf dem insgesamt 15 Hektar großen Areal veranlassten nur relativ wenige Menschen zu einer Reise in den äußersten Osten unseres Landes.
Doch dann kam der Sommer 2018 und alles sollte anders werden. Durch die anhaltende Trockenheit fiel das Wasser im Rosenhagener Polder zusehends. Während im Juni die Wasserfläche noch geschlossen war, veränderte sich ab Juli die Lage. Das Wasser ging zurück, kleine Inseln traten hervor, und nach und nach wurde der Anteil der Land- bzw. Schlammbereiche im Polder größer. In den Restpfützen sammelten sich die Fische und boten eine leichte Beute für alle Fischliebhaber. Die Berichterstattung in den Medien beginnt am 10.07. mit einer Meldung bei Facebook, dass am Rosenhagener Polder 40 Seeadler zu sehen seien. Im Nachhinein betrachtet eigentlich noch keine große Sache bei 12 Brutpaaren, also 24 Alttieren und deren Nachwuchs. Am 16.07. erscheint dann ein Filmchen auf Facebook, welches zwei Adler an einem vormals von Wasser überfluten Bereich sitzend und rufend zeigt. Da es meinerseits auf einen Besuch mehr oder weniger im Bruch nicht mehr ankommt, fahre ich mit einem Freund für drei Tage dorthin. Der Wasserstand fällt weiter, und die Adler stellen sich zum großen Fressen ein. Wir zählen 51 Adler von einer Stelle aus. Wir sind euphorisiert und fassungslos. Bei Sonnenaufgang beobachten wir dann neun Adler direkt vor uns, welche sich in keinster Weise von uns beeindrucken lassen. Wir fotografieren wie die Wilden und können unser Glück kaum fassen. Und weiterhin Ruhe bis auf das Rufen der Vögel, keine Menschenseele … Die Sonne brennt unbarmherzig weiter, von Regenwolken keine Spur. Das Wasser wird weniger, die Anzahl der Adler steigt proportional. Was nun folgt, kommt Schlag auf Schlag. Weitere fast tägliche Facebook-Einträge bewerben förmlich die Szenerie. Am 07.08. zeigt der NDR im Nordmagazin einen Beitrag über die Adler und berichtet nun schon von 60 Adlern. Am 07.08. erscheint ein Video des Adlerfestes auf YouTube und einen Tag später wartet der Nordkurier (Tageszeitung) mit der Schlagzeile Rund 100 Seeadler tummeln sich vor Usedom auf. Und ab da gibt es kein Halten mehr. Ich bin am 09.08. wieder vor Ort. Aus dem beschaulichen Plätzchen ist ein Besuchermagnet geworden. Menschen zu Fuß, mit dem Fahrrad, Einzelpersonen und Familien, Autos am Wegesrand. Der knapp 300 Meter entfernte Parkplatz zum Teil unbenutzt. Die Leute steigen auf ihre Autos und Wohnmobile, um über die Schilfkante zu sehen. Jubel, Trubel, Heiterkeit – fehlt eigentlich nur noch der Bratwurststand und der Bierwagen. Die Adler nehmen es scheinbar gelassen, das große Fressen geht weiter. Nur die Einheimischen werden zunehmend gereizter. Am 10.08. wird erstmals ein Aufruf veröffentlicht, der alle Fotografen und Adlergucker auf ein paar Verhaltensregeln hinweist. So wird angemahnt, es sollte aber für alle Naturfreundinnen und im besonderen Fotografinnen gelten, sich so unauffällig wie möglich im Gebiet zu bewegen. Zum Glück befinden wir uns in einem Moorgebiet, nicht auszudenken, was passieren würde, wenn das Gelände betretbar wäre! So sind Beobachtungen nur von der Straße aus möglich, was das Gebiet und die Tiere wahrscheinlich deutlich besser schützt, als jeder Aufruf und jede Verhaltensregel. Die Hitze geht weiter, der Wasserstand fällt, die Zahl der Adler und Besucher steigt. Am 17.08. werden 200 Adler gezählt. Sie sitzen in den Bäumen wie Stare, am Schilfgürtel aufgereiht oder einfach im Schlamm – unglaublich. Am 16.08. berichtet wetter.com über die Ansammlung der Adler, am 27.08. erscheint auf YouTube ein weiterer Film, welcher das Naturschauspiel zeigt, und kurz darauf wird er auf der NABU-Seite verlinkt. Ende August wird der Fischbestand in den Ansammlungen von Restwasser, sofern diese überhaupt noch vorhanden sind, deutlich geringer und die Adler weniger. Im September liegt der Polder endgültig trocken, und die Adler haben wieder Normalpegel erreicht. Der Besucherstrom verringert sich, aber allein ist man nur noch selten. Der eine oder andere Pfiffikus denkt sich „Wenn die Adler nicht mehr zu mir kommen, gehe ich zu ihnen“. Bei einer solchen Aktion findet ein Naturfreund am 01.10. die Überreste eines menschlichen Skeletts an einer Stelle, die seit zehn Jahren nicht mehr betretbar war. Als ich dies lese, wünsche ich mir noch sehnlicher Regen, damit die Fläche wieder unpassierbar wird.
Mittlerweile hat der Stadtbruch seinen Status als Geheimtipp wohl gänzlich verloren. Der NABU startete einen Spendenaufruf, um das Gebiet zu erwerben, was 2019 auch gelang, und bringt in seinem Mitgliedermagazin Naturschutz Heute/ Winter 2019 einen diesbezüglichen Bericht. Die GDT veröffentlicht einen Spendenaufruf, der erste Workshop ist durchgeführt worden, Christoph Hauschilds Dokumentation Das Oderdelta, welche insbesondere tolle Aufnahmen von der „Adlerinvasion“ zeigt, lief auf arte, und ich sitze hier und schreibe einen Brief aus der Provinz. Ja, die Einsamkeit und (eingebildete) Exklusivität des Gebietes sind vielleicht ein wenig geringer geworden, aber was soll`s? Denke ich an den viel zitierten Satz Wir können nur schützen, was wir auch kennen von Heinz Sielmann, dann werden sich zukünftig wohl einige Leute mehr für den Erhalt und Schutz des Bruchs einsetzen, als noch vor einem Jahr. Und das ist doch auch nicht zu unterschätzen. Wenn alle Besucher dann noch ihren gesunden Menschenverstand benutzen, umso besser. Als ich aber am Silvestermorgen 2018, Minuten nach Sonnenaufgang, auf dem alten Bahndamm nach Kamp einem Jogger begegne, will ich einfach nur das Hinterland zurück.

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6ha / Die letzten Ankömmlinge

Die Lachmöwen und Trauerseeschwalben sitzen längst auf ihren Gelegen, da fanden sich auch die Weißbartseeschwalben ein. Mindestens 3 Brutpaare haben die Feuchtsenke zu ihrem diesjährigen Domizil auserkoren. Und während besagte Arten noch brüten, ist ein junger Haubentaucher geschlüpft und wird spazieren geschwommen. Ach ja, letzten hatten wir selten Besuch, eine Zwergmöwe sah mal vorbei. Jeden Tag etwas Neues…

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Biberland / Anklamer Stadtbruch

Wenn die Nacht schwindet, kehren die Biber heim in ihre Burgen. Dies ist einer der wenigen Momente die Tiere zu sehen – sofern der Wind günstig steht, man sich nicht bewegt und absolut leise ist. Ach ja, die Portion Glück gehört natürlich auch dazu.

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Gefundene Kraniche

Vor einigen Tagen habe ich mich wieder einmal an unsere fantasitische Reise zum Hornborgssjön / Schweden im letzten Jahr erinnert. Im Archiv bin ich dann auf diese fast vergessenen Aufnahmen gestoßen. Diese sind an einem Morgen aus der Fotohütte heraus entstanden. Mehr als 16h war ich auf 2m² gefangen, aber schön und unvergesslich war es.

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Rehe aus dem Kanu

Vor 2 Jahren sind wir zum Sonnenaufgang an der gleichen Stelle im Havelquellgebiet gepaddelt und sahen Nebel, spiegelglatte Seen und Rehe. So auch diesmal. Manchmal ist es schön, wenn Dinge gleich bleiben.

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6ha / Neue Gäste

In den letzten Tagen sind die ersten Trauerseeschwalben angekommen. Wie man auf den Bildern sieht, erfreuen sich die künstlichen Nistinseln nicht nur bei dieser Gattung an Beliebtheit. Aber vielleicht rücken die Lachmöwen ja auch in diesem Jahr wieder einige raus. Ansonsten müsste der Wasserstand und Vegetation auch für natürliche Nester reichen.

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Homesharing / Otter als Nesträuber

Homesharing bedeutet wörtlich übersetzt das „Teilen eines Zuhauses“. In unserem Fall war es ein Otterrüde (manchmal auch in Begleitung seiner Dame), welcher bevorzugt Schwanennester als seinen Ruheort auserkor. Man kann sich dies so vorstellen. Wir haben ein Schwanennest mit Eiern, Otter kommt, verscheucht die Schwäne, schiebt die Eier zur Seite und legt sich ins gemachte Nest. Hatte der Otter dann genug und zog von dannen, kamen die Schwäne wieder und besserten erstmal das Nest aus. Es kam aber auch vor, dass sich Graugänse oder Graureiher zu einem kurzen Probesitzen auf dem Nest niederließen. Die Schwäne zeigten hingegen eine schon dümmliche Ruhe, schwammen herum, warteten auf Freigabe ihrer Schilfburg, besserten aus und ließen dem Otter den Vortritt, wenn es diesem nach einem trockenen sonnenbeschienen Plätzen gelüstete. Dieses Spiel ging einige Tage und dann begriffen es auch endlich die Schwäne, dass sie mit dieser Methode, wohl 2020 kinderlos bleiben würden. Sie bauten daraufhin ein neues Nest, legten nochmal Eier und brüten jetzt ungestört vor sich hin. Der Otter hat ebenfalls sein Schwanendomizil aufgegeben. Ist ja auch niemand mehr da, der das Nest herrichtet, wenn er außer Haus ist.

Mehr vom Fischotter HIER!